Zwölf Jahre. Das ist die Zeit, die ein Militärpfarrer in der Regel tätig ist. Dieses Soll hat auch Martin Benker nun fast erfüllt und wird in der kommenden Woche bereits in einem Feldgottesdienst verabschiedet.
Mit den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN sprach Martin Benker, der am 1. Februar  2010 sein Amt als Militärpfarrer antrat, in dieser Woche und ließ die vergangene Zeit einmal Revue passieren.
An den Moment vor elf Jahren, als er den Anruf vom Kirchenrat bekam, kann sich der Seelsorger noch genau erinnern. „Ich wurde gefragt, ob ich mir einen Einsatz in der Militärseelsorge vorstellen kann“, berichtet Benker, und er erbat sich eine Woche Bedenkzeit.
Zum damaligen Zeitpunkt war er noch als Pfarrer sowohl in der Seelsorge als auch an der Schule in Barntrup tätig. „Diese beiden Welten haben sich dort beeinflusst“, erinnert er sich. Gleichzeitig sei es eine gute Vorbereitung auf seine Stelle als Militärpfarrer gewesen, die er dann antrat.
Und auch an seinen ersten Tag kann sich der Seelenhirte noch gut erinnern. „Einer hatte Schuldenprobleme und ein anderer hatte einen Suizidversuch hinter sich“, berichtet Martin Benker – da wusste er, dass er in der neuen Stelle seelsorglich stark herausgefordert würde.
Zu dem damaligen Zeitpunkt waren noch 5000 Soldaten am Standort stationiert. Bei so vielen Kontakten ist einem nichts Menschliches mehr fremd, berichtet er schmunzelnd. Er selbst hatte seine Rolle schnell gefunden, nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Prediger, Sozialhelfer und wenn nötig auch als „Papa“. „Ich war rund um die Uhr erreichbar, gleichzeitig war es vor allem am Anfang anstrengend, mich immer wieder in neue Dinge hineinzufuchsen“, berichtet der Pfarrer.
Für seinen seelsorgerischen Anspruch hatte sich Martin Benker ein klares Ziel gesetzt. „Das Evangelium so zu buchstabieren, dass es Freude macht, es zu hören.“ Die Aufgabe als Militärpfarrer hat ihn nach eigenen Angaben gereizt. Dabei habe die Seelsorge einen großen Teil seiner Arbeit ausgemacht.
Tiefpunkte seiner Amtszeit waren nach eigenen Angaben die Momente, „wenn ein Kamerad zu Grabe getragen werden musste“, erklärt er. Aber es gab natürlich auch Höhepunkte. Als Beispiel führt Martin Benker die Erweiterung der Kita an, den Ausbau der Motorradarbeit, der psychologischen Beratung, der Kindertagespflege und der musikalischen Arbeit an. „Die Musik ist auch in Einsätzen äußerst wichtig“, weiß der Seelsorger.
Und wie hat sich der Seelsorger in der ganzen Zeit verändert? „Mein Mundwerk ist loser geworden“, gibt er unumwunden zu und fügt hinzu: „Ich möchte nicht verschwurbelt reden. Aus diesem Grund sei er auch gerne bereit, die Form der Wortverkündigung zu ändern, „um Menschen das Evangelium nahe zu bringen. „Formen und Inhalt sind zwei unterschiedliche Dinge“, betont der Seelsorger. Nach all den Jahren verstehe „ er die Liebe Gottes besser.“ Sein Fazit fällt positiv aus: „Meine Frau und ich haben uns in Augustdorf sehr wohlgefühlt“, so Martin Benker.
Nach seinem Ausscheiden aus der Militärseelsorge wird Martin Benker wieder eine zivile Kirchengemeinde im Kalletal übernehmen. Bis dahin soll es aber erst einmal ein paar Wochen Ferien geben. „Man kann nicht am Abend den einen Anzug aus- und am anderen Morgen den nächsten anziehen.“ Vermissen wird Martin Benker vor allem die Kameradschaft. „Ich werde mit meinen Gedanken sicher oft bei der Truppe und bei der Militärkirche sein“, verspricht er.
Gottesdienst in der Militärkirche
Am kommenden Sonntag, 07. März lädt die Evangelische Militärkirchengemeinde wieder zum Gottesdienst in die Kirche ein. Während die digitalen Gottesdienste der vergangenen Monate noch auf der Webseite http://www.militaerkirche-augustdorf.de zu sehen sind, hat der Kirchenvorstand nun beschlossen, die Kirche wieder für präsentische Gottesdienste zu öffnen, freilich unter Einhaltung der in den Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe geltenden Coronaschutzauflagen. Gottesdienstbesucher werden gebeten, einen medizinischen Mundnasenschutz mitzubringen. Ein Kirchkaffee im Anschluss kann angesichts der Pandemielage nicht stattfinden. Der Gottesdienst in der Evangelischen Garnisonkirche vis-à-vis der Nordwache der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne beginnt um 10 Uhr. Der nächste Gottesdienst mit Verabschiedung von Militärpfarrer Martin Benker aus dem Evangelischen Militärpfarramt findet am 21. März um 10 Uhr ebenfalls in der Kirche statt. Zur Teilnahme an diesem Gottesdienst ist eine frühzeitige Anmeldung über die Website der Evangelischen Militärkirchengemeinde unter „Termine“ notwendig, um die geltenden Coronaauflagen einhalten zu können. Rückfragen sind unter Tel. 0173-87 97 276 möglich.
 
 

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