Am gestrigen Abend fand eine einschneidende Zäsur in der Augustdorfer SPD statt. Der bisherige Vorsitzende Heinrich Georg Schneider hat sich nicht mehr aufstellen lassen, sondern hat das Feld für „die Jüngeren geräumt“, wie er gegenüber den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN erklärt. Und das aus eigenem Wunsch.
Mit Heinrich Georg Schneider tritt ein Politiker aus der ersten Reihe ab, der noch zur alten Garde gehört – „Heinz ist ein typischer Sozialdemokrat“, sagen Freunde und Weggefährten über den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden, der 1953 in Oberschlesien geboren wurde.
Seit 1972 lebt Schneider in Augustdorf. Die Sennrandgemeinde ist ihm nach eigenen Angaben ans Herz gewachsen. Und auch an den Beginn seiner politischen Karriere kann sich der Vater von zwei Töchtern gut erinnern. „In Augustdorf sollte ein Kampfdorf entstehen“, erklärt Schneider gegenüber den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Dementsprechend schloss er sich der Initiative an, die gegen das Kampfdorf war.
Seit 1991 war Heinrich Schneider im Rat, im kommenden Jahr sind das 30 Jahre. „Es war eine wechselvolle aber auch eine spannende Zeit“, erklärt er rückblickend. Seit 1994 hatte er dann den Fraktionsvorsitz inne. Was nimmt er aus dieser Zeit mit?
„Das politische Spiel beginnt schon in der Fraktion“, erklärt er schmunzelnd. Es sei wichtig, dass die eigenen Leute immer hinter einem stünden. „Fünf Jahre hat es gedauert, bis ich das Vertrauen in der Fraktion aufgebaut habe“; so Schneider.
In seiner Anfangszeit habe es einige Unruhestifter in der Partei gegeben. „Es war wichtig diese einzubinden“, erinnert sich Schneider und sagt: „Das ist mir auch gelungen.“ Auf die Frage nach seinem politischen Lebensziel findet Schneider eine klare Antwort: „Dass der Herr Dr. Wulf nicht mehr Bürgermeister ist.“ Er selbst könne mit erhobenem Haupt durch Augustdorf gehen.
Was er mit seiner freien Zeit nun anfangen werde, wisse er noch nicht. „Ich kann aber gut loslassen“, ist er sich sicher. Eine Auffassung, die seine Frau allerdings bisher nicht bestätigen würde. Welche Eigenschaften benötigt man denn als Fraktionsvorsitzender? „Man muss kompromissbereit sein“, entfährt es dem vierfachen Großvater. Zudem müsse man integer, glaubwürdig und transparent sein.
Alles Eigenschaften, von denen Nachfolger Daniel Klöpper seinem Vorgänger bescheinigt, diese zu besitzen. Der 44-Jährige wurde gestern einstimmig zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter ist Mats Uffe Schubert. Und schon jetzt ist klar, dass die beiden in zweieinhalb Jahren die Rollen tauschen werden.
Daniel Klöpper ist selbständig und arbeitet als Schulassistent an einer Schule. „Ich betreue die Mediothek an einem Gymnasium in Sennestadt“, so Klöpper. Politisch aktiv ist er bereits seit 1992, also ein Jahr nachdem sein Vorgänger in den Rat einzog. Mit anderen jungen SPD-Mitgliedern gründete Klöpper die Jusos in Augustdorf. „Ich komme einfach aus einem SPD-geprägten Elternhaus“, erklärt er schmunzelnd. Seit sechs Jahren war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. „Schon damals war es Heinz‘ Wunsch gewesen, den Fraktionsvorsitz nach dieser Legislaturperiode abzugeben“, so Daniel Klöpper. Sein Ziel sei es, so viele Punkte wie möglich aus dem SPD-Konzept umzusetzen.
Was will er denn anders machen als sein Vorgänger? „Gar nichts“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Und welche Eigenschaften bringt er mit, um die Fraktion zu führen? „Ich kann gut zuhören und bleibe in Stresssituationen ruhig“, ist Klöpper überzeugt.
Und auch im Anschluss an die Fraktionssitzung herrschte neben der Traurigkeit über den scheidenden Vorsitzenden auch Freude, dass Daniel Klöpper nun am Ruder ist: „Die Mitglieder haben sich gefreut und mir gutes Gelingen gewünscht“, berichtet der neue Fraktionsvorsitzender im Anschluss im Gespräch mit den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Und eines ist ihm noch wichtig: „Ich möchte, dass wir im Rat weiterhin so gut zusammenarbeiten, wie wir es seit Herbst letzten Jahres gemacht haben.“
Sein Stellvertreter Mats Uffe Schubert kann diesen Wunsch nur unterstreichen. Der 23-Jährige ist seit 2017 Mitglied in der SPD und seit 2018 sachkundiger Bürger. „Ich hatte immer das Ziel, politisch aktiv zu sein“, erklärt Schubert, der den Wahlkampf der SPD federführend mitorganisiert hat. „Die letzten Monate waren schon sehr anstrengend“, erklärt er rückblickend. Der Wahlkampf sei aber eine sehr schöne und spannende Zeit gewesen – „und mit einem schönen Ende am 27. September“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Seine Schwerpunkte sieht Mats Uffe Schubert in der Gemeindeentwicklung und im Klima- und Umweltschutz. Konkurrenz zu Daniel Klöpper sei nicht vorhanden. „Wir haben beide auch gut im Wahlkampf zusammengearbeitet“, erklärt er und auch der neue Fraktionsvorsitzende betont, dass man Respekt vor der  Arbeit des jeweils anderen habe.
Was auf beide zukommt, fasst dann Heinrich Georg Schneider zusammen: „Ich habe viel Freizeit geopfert, habe das aber nie bereut.“

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