„Liebe Leserinnen und Leser, das Interview mit Lutz Müller hat mich in den letzten Tagen sehr bewegt, gab es doch darin vieles, was Fragen aufgeworfen. Teilweise ist eine Klarstellung durch die Veröffentlichung des stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindeverbandes der CDU, Patrick Baltruschat, erfolgt. Allerdings wirft diese Stellungnahme noch mehr Fragen auf, ganz besonders für mich als Mitglied der CDU in Augustdorf.
Als ich die Überschrift des Artikels am 13.01.2021 las, war ich zunächst mehr als verwundert. Bei allen Querelen und Auseinandersetzungen der Vergangenheit innerhalb der CDU Augustdorf hatte ich eher von anderen ein Interview oder eine Stellungnahme erwartet. Denn es gibt einige Verantwortliche in der CDU, die mehr Antrieb haben sollten, sich und damit den CDU Mitgliedern gegenüber zu erklären. Herr Müller ist für die Fraktion verantwortlich und muss sich hier als erstes Mitglied der CDU Augustdorf, dazu in der Verantwortung als Franktionsvorsitzender stehend, erklären!?
Bevor ich inhaltlich auf die Artikel eingehe, muss ich meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen: Vor den Wahlen im letzten Jahr haben meine Gattin und ich über eine ganz lange Zeit immer mehr das Vertrauen in den damaligen Amtsinhaber Dr. Wulf verloren. Als die Auseineindersetzungen über die erneute Nominierung Wulfs innerhalb der CDU Augustdorf dann scharf an Kontur gewannen, waren wir endgültig davon überzeugt, dass nur ein Wechsel im Amt des Bürgermeisters Ruhe nach Augustdorf bringen könnte. Und wenn sich niemand findet, muss man (in diesem Falle Frau) es selbst machen. So warf meine Frau letztes Jahr auf der Nominierungsveranstaltung zum Bürgermeisterkandidaten der CDU ihren Hut in den Ring. Sie war in der Abstimmung dann unterlegen, wenn auch mit beachtlich vielen Stimmen. Gerne hätten wir selbst uns danach mehr engagiert. Leider ist meine Gattin jedoch kurz nach dieser Wahl sehr krank geworden und braucht noch lange, um sich zu erholen. Die Gesundung hat Vorrang vor allem! Es hält mich jedoch nicht ab, das Geschehen zu kommentieren.
Herr Müller geht zunächst auf die Rolle des Herrn Brakhage ein und stellt fest, einen anderen Blickwinkel zu haben. Allein das genügt bereits als Aussage um das Enttäuschung darin zu erkennen, dass Herr Brakhage als Herr des Verfahrens (gegen die drei CDU-Mitglieder) die hiesige Sicht gar nicht wahr genommen hat. Und so fährt Müller auch fort, es sei entäuschend, dass es kein persönliches Gespräch zwischen den gemaßregelten Parteimitgliedern und dem Kreisvorsitzenden gegeben habe. Das lässt, wie jüngst bereits festgestellt, den Schluss zu, man habe das Urteil bereits gefällt.
Ja, allerdings ist das enttäuschend. Es geht schließlich nicht um irgendwen sondern um drei Mitglieder der CDU, die sehr viele Jahre äußerst engagiert die Geschicke der Gemeinde mit gestaltet haben. Und sie tun es noch! Für die CDU und sicher nicht gegen sie! Wer über 35 Jahre Mitglied einer Fraktion ist und jahrelang Vorstandsarbeit für die CDU geleistet hat, sollte ein faires Verfahren erwarten dürfen (wie jeder andere auch!)
Dann wird Müller klarer und erläutert, dass man den drei Mitgliedern direkt den Parteiaustritt nahe gelegt habe. Das mag aus Sicht Brakhages verständlich sein, ist das ganze Verfahren doch ohnehin sehr fragwürdig. Doch weshalb sollten die drei die CDU verlassen? Welchen Grund sollten sie haben? Wäre es nicht zu diesem Zeitpunkt besser gewesen, ergebnisoffen zu prüfen, was tatsächlich zu der ganzen Unruhe innerhalb der CDU Augustdorf geführt hat und wem man wohl eher partischädigendes Verhalten vorwerfen könnte? Doch genau diese Fragestellung ist so unsinnig, führt sie doch nur das „Drama“ fort, das längst hätte beendet sein sollen! Denn für eine erfolgreiche Arbeit sind das sicher nicht so gute Voraussetzungen! Dem Leser mag es gefallen, dem Ort Augustdorf schadet es und zwar nachhaltig! Dazu später mehr.
Und Müller wird noch klarer: Offenbar bestehe in der Bevölkerung Grund zur Sorge, dass die Partei auf den füheren abgewählten Bürgermeister Dr. Wulf eingeschworen würde und dazu würden unliebsame „Parteifreunde“ gemaßregelt oder entfernt. Das ist schon ein starkes Stück, wenn der Fraktionsvorsitzende selbst diese Sorgen vorträgt! Ein früherer Bürgermeister bereitet Sorge im Dorf? Wie das?
Dazu muss man ein klein wenig ausholen: In Augustdorf leben viele Familien, die in christlichen Gemeinden miteinander eng verbunden sind. Sie sind in ihren religiösen Lebensauffassungen sehr stark traditionell verwurzelt. Vorschriften aus dem Glauben heraus haben eine große Wirkung. Weltliche Dinge werden eher abgelehnt und teilweise vollkommen anders bewertet als in Familien mit weniger religiösem Hintergrund. So weit so gut. Aus dieser Gruppe der traditionell behafteten Christen sind viele in den letzten Monaten in die CDU eingetreten und haben tatsächlich Dr. Wulf auf der Nominierungsveranstaltung der CDU zur Bürgermeisterwahl 2020 unterstützt. Gereicht hat es zwar zur Nominierung als Kandidat, Dr. Wulf war jedoch zu umstritten geworden und im Amt  abgewählt worden. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, jetzt kann die CDU Augustdorf neu anfangen. Es gibt Vertreter beider Parteien (im Sinne pro und gegen Wulf). Diese sollten innerhalb der CDU jetzt Wege finden, dauerhaft zusammen zu arbeiten. Der Kreisvorstand hätte hier vermittelnd tätig werden können. Das Gegenteil jedoch ist passiert. Es wird ein Keil vom Kreisvorstand in die ohnehin rissige Fassade der CDU getrieben.
Stellt sich die Frage nach den Hintergrundaktiven: An dieser Stelle beziehe ich mich auf den Auszug des Interviews, in dem Müller auf eine Abstimmung des erweiterten Kreisvorstandes der CDU Lippe hinweist, die den Ordungsmaßnahmen vorausgegangen sei. Ich formuliere das aus: Der stimmberechtigte Vertreter der Augustdorfer CDU Wolfgang Huppke und der nichstimmberechtigte Vorsitzende des CDU Gemeindeverbandes Patrick Baltruschat nehmen an einer Abstimmung teil, die Ordungsmaßnahmen gegen Mitglieder ihres eigenen Verbandes zur Folge haben.
Bis heute (17.02.2021) erfolgte dazu keinerlei Stellungnahme des Vorstandes oder Huppkes als Kreisvorstandsmitglied an die Partei. Erst heute muss ich in den AN die Stellungnahme lesen. Und der Satz „Verrat an der Partei“ gibt noch mehr zu denken. 
Es ist nichts gegen eine Meinung einzuwenden. Aber keine Meinung zu äußern, obwohl man eine hat, ist unfair, wenn man in diesen verantwortungsvollen Positionen sitzt!  Da hätte ich von Huppke eine klare Ansage erwartet, aber er duckt sich weg! Schade.
Ich bin als CDU Mitglied bestürzt, all diese Dinge aus der Zeitung erfahren zu müssen. Hier hatte ich die Erwartungshaltung, dass der Vorstand des Gemeindeverbandes und/oder Wolgang Huppke als Mitglied im Kreisvorstand sich erklären, zumindest ein Mitglied des Vorstandes tat es nunmehr. In dieser Erklärung wird weiterhin der Versuch unternommen, wie der Kreisvorstand es auch bereits auf Zuruf tat, Wulfs Kritiker mit Kritik an der CDU zu verknüpfen. Doch so einfach ist das nicht. Die Kritik richtete sie nie gegen die CDU, zu keinem Zeitpunkt. Die Kritik richtete sich gegen die Person Wulf. Das hat nichts mit der CDU zu tun.
Augustdorf erlebt, wie ein Bürgermeister jahrelang einseitige zum Teil nicht nachvollziehbare Interessen vertritt und sich selbst zum sektierenden Guru einer extremchristlichen Strömung wandelt. Bei den letzten Kommunalwahlen hat die CDU das mit Abstand beste Ergebnis seiner Geschichte in Augustdorf eingefahren! Das war sicher nicht das Verdienst Wulfs, denn dieser wurde abgewählt!  Es ist mir schleierhaft, wie man auf 90 % Zustimmung von CDU Ratswählern verweisen kann! Das Gegenteil ist der Fall, die CDU hätte mit einem anderen Kandidaten noch viel mehr eingefahren.  Natürlich war die Arbeit des Vorstandes im Wahlkampf beeinträchtigt. Denn der Riss, den Wulf verursacht hat, geht so tief durch die CDU Augustdorf, dass man offenbar nur noch in öffentlichen Stellungnahmen miteinander kommuniziert. Ein Armutszeugnis für den Vorstand, obliegt es doch ihm für Ruhe zu sorgen! Doch der Vorstand gießt noch Öl ins Feuer. Ja, man darf anderer Meinung sein, ein Vorstand hat ebenso die Abwahl des BM hinzunehmen und die Arbeit der Fraktion zu unterstützen.
Verrat: Ein Verräter ist umgangssprachlich einer, der etwas weiter sagt, was geheim bleiben soll. Was haben die drei „Abgestraften“ denn verraten? Ich kann keinen Verrat darin erkennen, sich gegen einen Kandidaten auszusprechen. Damit ist kein Geheimnis preis gegeben worden. Es ist immer mehr erkennbar, dass die Fronten extrem verhärtet sind. Herr Baltruschat, reichen Sie die Hand, suchen Sie das Gespräch! Sie können doch nicht ernsthaft Parteivorsitzender sein und sich so irregulär äußern! Anstatt zu fragen warum man an so einer in weiten Teilen der Bevölkerung sehr umstrittenen Person festhalten will straft man diejenigen ab, die die Missstände aufgezeigt haben?!
Alleingang Brakhage: Nein, das ist es nicht, sicher nie gewesen. Aber es ist doch deutlich, dass die Sichtweise in Detmold (und nur diese ist anscheinend nach Düsseldorf tranportiert worden) der Ihren enstspricht, Herr Baltruschat. Man darf wohl annehmen, dass gute Verbindungen bestehen und der einseitige Transport des Geschehens nach Detmold die eigentliche Ursache des Ganzen sind! Andernfalls wären diese drei „Abstrafungen“ gar nicht möglich gewesen. Den Schuh darf Herr Brakhage sich gerne anziehen. Und da knüpfe ich an Müllers Enttäuschung an: Ein Gespräch mit der Gegenpartei ist oft erhellend!
Nochmal: Die CDU gewinnt fast alle Direktmandate, nur Wulf wird abgewählt. Das Wahlergebnis zeigt doch deutlich, welche tatsächliche Schieflage in Augustdorf vorhanden war und leider noch ist!
Löschen des Artikels von der Faceboo-Seite: Das Interview war zunächst auf der Facebook Seite der CDU Gemeindeverbandes Augustdorf veröffentlicht worden. Leider ist es dort wieder entfernt worden. Das allerdings ist ein weiterer Hinweis auf den „Maulkorb“. Unliebsame Meinungsäußerungen sind unerwünscht! Auch dieser Weg führt zum Vorstand des Gemeindeverbandes. Und der hat noch keinen Weg gefunden, den Streit zu beseitigen. Denn wenn der Pressesprecher nicht die Meinung des Vorstandes oder die der Mehrheit der Mitglieder kennt, wer dann?
Um das aufzuklären, ist ein Ausblick in die nähere Zukunft zu wagen und darauf zurück kommen, warum das alles für Augustdorf schädlich ist. Auf einer bald stattfindenden Wahl des Vorstandes der CDU Augustdorf werden Vertreter einer christlichen Gemeinde  Augustdorf nebst abgewähltem Wulf alle Posten besetzen. Einige habe ich ja bereits auf der Nominierungsveranstaltung letztes Jahr kennenlernen dürfen. Nachdem der Vorstand getauscht wurde, werden alle Fraktionsmitglieder, die gegen Wulf sind, von parteiinternen Informationsflüssen  ausgeschlossen (was offensichtlich jetzt bereits teilweise der Fall ist!). Und in vier Jahren wird Wulf zum BM Kandidat der CDU in Augustdorf gewählt. Dann sollten viele leidige „Gegner“ weg sein und der Weg frei für……ja, für was eigentlich? Für gute Politik? Davon kann wohl, betrachtet man die Vergangenheit, keine Rede sein! Aber das sind ja nur Spekulationen….nichts weiter 🙂
Ich halte diese Aussicht jedoch für fatal! Wir sind vor 16 Jahren gerne in Augustdorf wohnen geblieben, gerade weil hier so viele Familien mit so vielen Kindern leben. Wir haben selbst sechs Kinder. Und ich wünschte mir nichts mehr als friedlich zusammen zu leben. Die Spaltung der CDU Augustdorf, die unter Beteiligung des eigenen Vorstandes und des Kreisvorstandes der CDU vorangetrieben wird, spaltet auch die Gemeinde. Denn einen Personenkult will niemand. Die vergangenen Jahre habe doch deutlich gezeigt, dass Augustdorf einen Bürgermeister braucht, der Brücken legt und sie nicht abreißt! Es muss wer sein, der zusammenführt und nicht spaltet. Der abgewählte Wulf verkörpert doch wohl eher, was man nicht will!
Zum Schluss habe ich noch einen an diejenigen, die sich wegducken und meinen mit diesem anonym initiierten Verfahren gegen drei sehr verdiente Mitglieder der CDU Augustdorf das Richtige getan zu haben:
Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant!“

Cookie Consent mit Real Cookie Banner