Dass ein Zeitungsbericht schon vor der Veröffentlichung für Ärger und sogar für Drohungen sorgen kann, erlebt man eher selten. Wenn es dann passiert, scheint das Ausmaß umso heftiger zu sein.
Die Redaktion der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hatte vor Tagen angekündigt, dass es einen weiteren Artikel zu den Gottesdienstbesuchen an der Haustenbecker Straße geben solle. Das scheint sich in den letzten Tagen herumgesprochen zu haben; am Sonntagnachmittag erhielt die Redaktion eine Nachricht via Facebook, die erst einmal harmlos begann. Ein Herr W. schrieb dort: „Wirst du noch einmal ein Artikel zu der Haustenbecker Straße reinszellen??!!“(sic!)
Darauf antworteten wir wahrheitsgemäß mit „ja, morgen.“ Im Folgenden entspann sich dann eine Unterhaltung, die man bestenfalls als skurril, aber vielleicht besser als beunruhigend bezeichnen kann. Erst wurden wir aufgefordert: „Würde aufpassen mein Freund!“ Dann wurde uns erklärt: „Das Eis wird immer dünner für Euch.“
Im weiteren Verlauf wurde die Redaktion zu einem spontanen Treffen eingeladen: „wir treffen uns einfach mal dann gucken wir bist dabei?“(sic!) Dabei kann der Sinn dieses Treffens nur erahnt werden und verheißt aufgrund des vorangegangenen Gesprächsverlaufes eher Unheilvolles.
Nachdem wir erklärt haben, dass wir den Gesprächsverlauf an den Gemeindeleiter an der Haustenbecker Straße weiterleiten werden und das Treffen dankend abgelehnt haben, wurde der Redaktion noch attestiert, „Ja wieder feige ne immer dann gleich andere Leute damit belästigen wie armselig ekelig anstatt wie ein Mann zu stehen dann so!“(sic!)
Und das alles wegen eines Berichtes? Direkt nachdem wir das Gespräch an Andreas Friesen, den Leiter der Baptistengemeinde an der Haustenbecker Straße weitergeleitet hatten, rief dieser bei uns an. Er erklärte, dass er zwar W. kenne, dieser aber nicht zur Kirchengemeinde gehöre. Andreas Friesen zeigte sich enttäuscht über das Verhalten von W., der mit seinen Äußerungen auch anderen Augustdorfern bereits Angst eingejagt hatte, so dass diese mit seinen E-Mails zur Polizei gegangen sind.
Der Gesprächsverlauf zwischen W. und der Redaktion verbreitete sich auch gestern wie ein Lauffeuer. Im Verlauf dessen erreichten die Redaktion zahlreiche unterstützende aber auch besorgte Emails. So schrieb eine Leserin: „Ich schätze diese Leute als sehr unberechenbar und gefährlich ein. Deshalb würde ich an Ihrer Stelle, um Ihre Familie zu schützen, im Impressum vielleicht besser ein Postfach angeben. Ich habe da wirklich ein sehr ungutes Gefühl.“
Was sagt es über eine Gesellschaft aus, in der die Presse aufgrund eines Artikels bedroht wird, der sich mit einer Glaubensgemeinschaft beschäftigt? Der ein und andere könnte jetzt behaupten – und das tun einige, dass die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN zum Unfrieden beitragen würden. Ein anderer Kritiker behauptete vor kurzem, dass die AN doch nicht über die Strafanzeige oder das Erntedankfest hätten berichten sollen.
Dieses Verständnis von den Aufgaben der Presse ist eher in Diktaturen zu finden, als in einer Demokratie. Die Presse hat die Aufgabe, Dinge aufzudecken, offen zu legen und darüber zu berichten.
Und genau das werden auch die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN weiterhin tun. Das ein und andere Mal schmerzt es vielleicht. So waren auch die ersten Veröffentlichungen über die Siedlung am Dören nicht positiv, aber wahr. Die Beteiligten haben aber aus einem schmerzhaften Prozess Lehren gezogen und das Beste daraus gemacht.
Es bleibt zu hoffen, dass auch die Beteiligten bei diesem Thema daraus Lehren ziehen und den Nutzen erkennen, was eine freie Presse bewirken kann – nämlich positive Veränderungen. Drohungen sind dabei eher kontraproduktiv.
Nachtrag: Herr W. hat heute nach der Veröffentlichung des Artikels (19.10.) mit uns den Kontakt gesucht und hat sich aufrichtig für seine Äußerungen entschuldigt. Wir nehmen seine Entschuldigung gerne an. Damit ist die Angelegenheit für uns erledigt.
 
 

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