Nach zwei Wochen Vorwahl zum „Vogel des Jahres 2021“ soll es heute nicht um die Vögel auf dem Treppchen gehen, sondern um die Arten auf den hinteren Rängen. Aktuell haben bereits rund 71.000 Menschen für ihren Kandidaten abgestimmt.
Unter den letzten fünf Vögeln finden sich der Rotkehlpieper, der Schlagschwirl, die Spatelraubmöwe, der Temminckstrandläufer und der Rohrschwirl. Diese Vögel zählen zu den weniger bekannten Arten. Dennoch besitzen sie einige interessante Merkmale und sollten als Kandidaten für den „Vogel des Jahres” nicht unterschätzt werden – schon ihre Namen sind eigentlich preisverdächtig.
Den Schlagschwirl haben viele vermutlich noch nicht gesichtet. Wahrscheinlich, weil er nur kurz während der Brutzeit bei uns in Deutschland zu Gast ist. Fast drei Viertel des Jahres verbringt er auf der Reise oder in Afrika. Die Spatelraubmöwe ist nach der Skua die zweitgrößte unter den Raubmöwen und nur vereinzelt vor allem im Herbst und Winter an der Nordsee zu sehen. Wie ihre Verwandten jagt sie anderen Seevögeln gern deren Beute ab. Mutig beschützt sie ihr Nest auch vor Menschen, und vertreibt sie mit Nachdruck. Vielleicht kann sie deswegen nur wenige Wähler*innen für sich begeistern? Dabei ist der Schreck meist größer, Verletzungen sind sehr selten.
Der Gesang des Rohrschwirls klingt eher wie ein schwirrendes Insekt als ein Vogel. Da ist es nicht verwunderlich, dass sein Gattungsname Locustella „kleine Heuschrecke” bedeutet. Er ist in Röhrichten am Rande stehender oder schwach durchströmter Gewässer zuhause. Droht Gefahr, nimmt der Rohrschwirl eine Pfahlstellung ein und imitiert so einen Schilfhalm. Dabei verschmilzt er fast mit seiner Umgebung. Hat dieser Künstler des Versteckens nicht doch ein paar Stimmen verdient?
Die Kohlmeise zwitschert aktuell auf dem 63. Platz. Ihre Artgenossin, die Blaumeise, belegt dagegen den stolzen siebten Rang. Die Kohlmeise ist die größte Meisenart Europas und einer der häufigsten Gäste in unseren Gärten. Wieso liegt sie dann so weit hinten? Vielleicht wird die Blaumeise im Vergleich mit der etwas plumperen Kohlmeise als niedlicher wahrgenommen. Auch das Blaumeisensterben könnte mehr Sympathiepunkte und Beschützerinstinkte bei den Wählern ausgelöst haben. Manche haben wahrscheinlich das Gefühl sich zwischen den beiden Meisenarten entscheiden zu müssen? Doch das muss nicht sein. In der Vorwahl können Wähler*innen jeder Vogelart jeweils eine Stimme geben. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Kohlmeise noch aufholen kann.
 

Weitere Prominente unterstützen den Goldregenpfeifer

Nach Schriftsteller und Buchpreisträger Saša Stanišić können sich auch andere prominente Personen für den gefährdeten Goldregenpfeifer begeistern. So bekannten sich die Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski, die Klimaschutzaktivistin Luisa-Marie Neubauer und die Politikerin Anke Domscheit-Berg zu dem „Goldi”, wie er auch liebevoll genannt wird. Bei der Vorwahl zum „Vogel des Jahres” kann also noch viel passieren. Welche Kandidaten kämpfen sich nach oben? Und bleibt die aktuelle Top Ten bestehen? Es bleibt spannend.

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