Bürgermeister Thomas Katzer und Bundeswehr-Kommandeur Stephan Willer treffen sich regelmäßig, um sich über tagesaktuelle Themen auszutauschen. Beim Gesprächstermin am 23. Juni 2022 saßen neben den beiden Spitzenvertretern der Gemeinde sowie des Militärstandortes Augustdorf auch Vertreter der Augustdorfer Ratsfraktionen sowie der Gemeindeverwaltung mit am Tisch.
Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, DBA und FWG waren der kurzfristigen Einladung von Bürgermeister Katzer ins Rathaus an der Pivitsheider Straße gefolgt. Topthema der rund einstündigen Unterredung: Die Umsetzung der Baumaßnahmen zur Einfriedung des britischen Panzerübungsplatzes Stapel sowie des angrenzenden Standortübungsplatzes Schapeler Hof, der unter Verwaltung der Bundeswehr steht.
Seit rund drei Wochen dauern die Bauarbeiten an der Zaunanlage um die beiden militärischen Trainingsgelände bereits an. Insofern herrschte im Plenum große Einigkeit darüber, dass sich sowohl die Gemeinde Augustdorf als auch die Bundeswehr in der benachbarten Rommel-Kaserne nach dem Spitzentreffen im Rathaus nicht mehr öffentlich zu dem Bauvorhaben äußern werden.
Bürgermeister Thomas Katzer stellte zu Beginn der Gesprächsrunde klar: „Der Stapel und Schapeler Hof sind kein Naherholungsgebiet und kein Kinderspielplatz“, so Katzer. Die Gemeinde erkenne die Sicherheitsaspekte, die britische und deutsche Streitkräfte als eine der Hauptgründe für den Zaunbau anführen, uneingeschränkt an. Brigadegeneral Stephan Willer verwies nochmals auf die Bedeutung von einsatzbereiten und schlagkräftigen Streitkräften: „Der 24. Februar hat auch dem letzten Zweifler gezeigt, wie wichtig die Verteidigungsbereitschaft unseres Landes ist“, so der Ein-Sterne-General. Einsatzbereite Streitkräfte müssten Üben, Schießen und Trainieren, so Willer.
Dafür bedarf es militärischer Übungsplätze, auch in Augustdorf und der Senne. Für den Stapel sowie den Truppenübungsplatz Senne berufen sich die britischen Streitkräfte auf völkerrechtliche Bestimmungen wie das NATO-Truppenstatut. „Die Sicherheitsaspekte waren ausschlaggebend für die Baumaßnahmen, über die britischen und deutschen Streitkräfte bereits im Februar umfassend informiert hatten“, so Willer.
In Bezug auf die Proteste gegen das Bauvorhaben, die auch über die Gemeindegrenzen hinaus großes Aufsehen erregt haben, machte der Chef der Gemeindeverwaltung anschließend deutlich, „dass der Protest sehr ernst genommen wird, Sicherheit und Gefährdung der Augustdorfer Bürger hier aber vorrangig betrachtet werden müssen.“ Die überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger schätze die Bundeswehr und das Militär im Allgemeinen als „gute Nachbarn“. Diese Einschätzung teilten auch die anwesenden Fraktionschefs. Wolfgang Huppke (CDU), Lutz Müller (DBA) und Martin Thiel (FWG) und verwiesen auf die Stellungnahmen der Ratsfraktionen sowie dem Beschluss des Gemeinderates zum Zaunbauprojekt.
Wolfgang Huppke und Lutz Müller zeigten als ehemalige Berufssoldaten viel Verständnis für die Argumentation der Streitkräfte. Auch Martin Thiel hat aufgrund seiner Erfahrung als aktiver Berufsoffizier keine Einwände. Pressesprecher Martin Waltemathe, der seinen Kommandeur zur Gesprächsrunde ins Rathaus begleitete, ging mit Blick auf die Protestaktionen nochmals konkret auf den Schapeler Hof ein: „Die Darstellung des friedlichen Zusammenlebens, das angeblich über Jahrzehnte existiert habe, ist falsch“, so Waltemathe.
Nahezu tagtäglich träfen Soldatinnen und Soldaten der Brigade, trotz Warnbeschilderungen und Schranken, Fußgänger, Radfahrer und Motocrossfahrer auf dem Standortübungsplatz an. „Warnschilder werden zerstört und Schlösser aufgebrochen“, wusste Waltemathe wiederholt zu berichten. „Ein Gewohnheitsrecht, den Schapeler Hof nach Lust und Laune zu betreten, existiert nicht“, so das klare Statement der Bundeswehr.
Brigadekommandeur Willer und Bürgermeister Thomas Katzer vereinbarten abschließend, die Gespräche zwischen Gemeinde, Politik und Bundeswehr weiter fortzusetzen. Nächstes Mal soll der Ukraine-Krieg auf der Agenda stehen. (mw)
Foto: Bundeswehr / Torben Schreiber

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