Der Kreis Lippe und seine Projektpartner haben bei dem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E-Vorhaben) „Grüne Infrastruktur in ländlichen Regionen“ die erste Phase abgeschlossen. In einer Voruntersuchung haben die Akteure die Voraussetzungen für die Umsetzung des nun anstehenden Hauptvorhabens erarbeitet. Dieses startet offiziell, wenn der entsprechende Förderbescheid vom Bund da ist. Dabei sollen die vielfältigen Funktionen und positiven Wirkungen verschiedener Ökosysteme gemeinsam betrachtet und in einem neuen Denk- und Arbeitsansatz miteinander vernetzt werden. Themenschwerpunkte im Kreis Lippe sind der Biotopverbund, die Kulturlandschaft und die Erholung. Sie wurden in der Voruntersuchung für das Kreisgebiet analysiert und in Teilthemen konkretisiert.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Projekt nun bald in das Hauptvorhaben starten können. Der Kreis Lippe geht damit als Vorreiter voran, denn wir sind mit dem E+E-Vorhaben bundesweit eine Modellregion für die Planung und Umsetzung der Grünen Infrastruktur“, sagt Landrat Dr. Axel Lehmann. „Der Umwelt- und Artenschutz sind zwei der wichtigen Zukunftsthemen im Kreis Lippe. Mit dem Projekt Grüne Infrastruktur möchten wir unsere Ökosysteme räumlich, strukturell und inhaltlich miteinander vernetzen und ihnen damit ebenso viel Relevanz wie der technischen Infrastruktur für das Leben in ländlichen Regionen geben“, fügt er hinzu.

Ab 2023 starten in sieben Schwerpunkträumen im Kreis Lippe erste Maßnahmen. Vorgespräche dazu gab es schon mit einzelnen Kommunen. So soll zum Beispiel in der Werreniederung bei Bad Salzuflen, zusammen mit der dort geplanten Gewässerrenaturierung, die Erlebbarkeit der Aue und ihrer historischen Nutzung durch die ehemaligen Stärkefabriken gefördert werden.

Als Vertreter der Projektträger der Voruntersuchung bedankt sich Prof. Dr. Boris Stemmer von der TH OWL für die bereits erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Kreis Lippe. „Mit den vielfältigen planerischen und konzeptionellen Arbeiten des Kreises wie der Biodiversitätsstrategie oder der Modellstudie zur Landschaftsplanung liegen zudem sehr gute und aktuelle Grundlagen vor“, sagt er.

Für die Umsetzung der Maßnahmen im Hauptvorhaben wird der Kreis Lippe vier Stellen schaffen. Diese sollen als Gebietsmanager vor Ort in den einzelnen Schwerpunkträumen die dort vorgesehenen Maßnahmen in Abstimmung mit lokalen Akteuren, Grundeigentümern und Bewirtschaftern weiter konkretisieren sowie deren Umsetzung begleiten. Für das Hauptvorhaben ist eine enge Zusammenarbeit mit der Biologischen Station und dem Naturpark vorgesehen. Die Biologische Station soll dabei wichtige Arbeiten bei der Grundlagenerhebung übernehmen sowie bei der Detailplanung mitwirken und darüber hinaus die weitere Pflege und Bewirtschaftung von Maßnahmenflächen übernehmen.

Für das E+E-Vorhaben Grüne Infrastruktur in ländlichen Regionen arbeitet der Kreis Lippe (Fachgebiet Landschaft und Naturhaushalt) außerdem eng mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe / TH OWL (Arbeitsschwerpunkt Erholung) zusammen. Weitere Projektpartner sind die Hochschule Osnabrück (Arbeitsschwerpunkt Biotopverbund) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Arbeitsschwerpunkt Kulturlandschaft). Für das Hauptvorhaben ist der Kreis Lippe als Antragsteller und Vorhabenträger zuständig. Das gesamte Projekt wird sich über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren erstrecken.

Als Pendant zur Modellregion Kreis Lippe hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Region Braunschweig als einen städtischen Verdichtungsraum ausgewählt. Hier findet während des Projektes ein intensiver Erfahrungsaustausch statt.

Hintergrund

„Hinter dem Begriff grüne Infrastruktur steckt der Gedanke, dass Ökosysteme und ihre Leistungen – etwa intakte Auen als natürliche Hochwasservorsorge – ebenso wie ‚graue, also technische Infrastruktur‘ für die Entwicklung eines Landes unverzichtbar sind. Grüne Infrastruktur trägt zum menschlichen Wohlergehen zum Beispiel durch Klimaregulation, Erholung und Erleben von Natur und Landschaft und zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei“, heißt es vom Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Das Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. Bei dem anschließenden Hauptvorhaben ist die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Lippe federführend. Sie wird hierbei innerhalb von drei bis vier Jahren konkrete Maßnahmen verwirklichen. Das Gesamtvolumen beträgt 4,6 Millionen Euro, wobei 75 Prozent der Kosten vom Bund finanziert werden. Zur Restfinanzierung wird sich das Land beteiligen. Der Antrag für das Hauptvorhaben wurde im September gestellt.

Textquelle: Kreis Lippe

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