Das dritte Jahr in Folge befindet sich Deutschland im Krisenmodus. Die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Energiekrise trifft die nordrhein-westfälischen Unternehmen im bevorstehenden Winter 2022/2023 mit voller Wucht. Neben hohen Kosten für Energie und Rohstoffe setzen der anhaltende Fachkräftemangel, die steigenden Arbeitskosten und die nicht überwundene Corona-Krise die heimische Wirtschaft stark unter Druck. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHKs in NRW, an der sich rund 5.500 Unternehmen beteiligt haben.

„Die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen richten sich auf ein schwieriges Wirtschaftsjahr 2023 ein. In unserer Konjunkturumfrage fällt der Indikator zu den Geschäftserwartungen auf minus 42 Punkte und damit auf einen historischen Tiefststand“, so Ralf Stoffels, Präsident von IHK NRW. Selbst zu Zeiten der Bankenkrise im Jahre 2009 waren die Unternehmen hoffnungsvoller (-35 Punkte). „Eine robuste wirtschaftliche Entwicklung ist aber die Voraussetzung, um die wachsenden Herausforderungen der kommenden Jahre zu schultern“, so Stoffels.

Allein bis in das Jahr 2030 wird Nordrhein-Westfalen alterungsbedingt Millionen Fachkräfte verlieren (s. Fachkräftemonitor NRW). Daneben wird Nordrhein-Westfalen bis 2030 eine umfassende Transformationsagenda umsetzen müssen. Zwar beschreiben im aktuellen Konjunkturbericht noch rund 30 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut, jedoch halbiert sich der Lageindikator von 19 auf 10 Punkte. Ein Fünftel der Unternehmen bewertet die gegenwärtige geschäftliche Situation bereits als schlecht. Kritisch betrachten insbesondere Industrie und Einzelhandel ihre Situation.

„Die Energiekrise macht die Geschäftsplanung für das kommende Jahr fast unmöglich“, sagt Stoffels. „Keiner weiß, welche Belastungen noch kommen, ob ausreichend Energie zur Verfügung steht und zu welchen Kosten.“ Die Unternehmen bereiten sich auf einen schwieriges Wirtschaftsjahr 2023 vor. 17 Prozent der Industrieunternehmen geben an, die Produktion aufgrund der massiv gestiegenen Kosten zu reduzieren oder sogar gänzlich einzustellen. Fast 10 Prozent der Unternehmen aus der Industrie ziehen sogar eine Verlagerung der Produktion in Betracht, da ein auskömmliches Wirtschaften am Standort aufgrund der massiv gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Arbeitskraft gegenwärtig nicht mehr möglich scheint.

Erfreulicherweise sind die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen noch relativ stabil. Rund 80 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Beschäftigung stabil zu halten oder sogar leicht auszubauen. Aber schon jedes fünfte Unternehmen plant einen Stellenabbau, in der Industrie ist es bereits jedes Vierte. Für viele Unternehmen bleibt der Fachkräftemangel nach wie vor eines der großen strategischen Probleme (55 Prozent). Stoffels: „Die Unternehmen sind sich dieses Problems bewusst und halten so lange, wie möglich an ihren Belegschaften fest.“ Mit der beginnenden Rezession in Teilen der Industrie geraten jedoch einige für den Wandel wichtigen Wertschöpfungsstufen unter existenziellen Druck.

„Es kommt jetzt auf Flexibilität und Geschwindigkeit an, mit der die beschlossenen Entlastungen bei den Unternehmen ankommen, Investitionen in unsere Transformation ermöglicht sowie regulatorische Vorgaben und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden“, so Stoffels abschließend.

Textquelle: IHK NRW
Fotoquelle: IHK NRW / Mara Tröger / Ralf Stoffels, Präsident der IHK NRW

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