Der Kreis Lippe hisst orangene Fahnen vor dem Kreishaus, um auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen. Die Farbe Orange stellt das Zeichen der Solidarität mit Opfern von geschlechtsspezifischer Gewalt dar und symbolisiert die Forderung nach einer Zukunft ohne Gewalt an Frauen. Landrat und Schirmherr des Kooperationsgremiums „Für Lippe gegen häusliche Gewalt“ Dr. Axel Lehmann betont: „Mit den orangenen Fahnen zeigen wir als Kreis unsere deutliche Haltung und sagen Nein zu Gewalt an Frauen. Der Kreis und seine Partnerinnen und Partner engagieren sich deshalb intensiv für Hilfsangebote. Mein Dank gilt allen Akteurinnen und Akteuren, die daran mitwirken“.

UN-Women setzt seit 2008 die Kampagne „Orange the World“ um, die Teil der Kampagne „UNiTE to End Violence against Women“ des Generalsekretärs der Vereinten Nationen ist. In diesem Rahmen ist die orangene Fahne entwickelt worden. Mit dieser machen Kommunen und Organisationen aufmerksam auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und die weltweiten sowie lokalen Aktivitäten.

Wie aktuell das Thema ist und wie eng es mit Macht und von Männern beherrschten Strukturen verbunden ist, zeigen die Proteste im Iran. Menschen gehen gegen das unterdrückende Regime auf die Straße und protestieren unter Einsatz ihres Lebens. „Es ist erkennbar, dass die Proteste deutliche feministische Dynamiken aufweisen“, so Nicole Krüger, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Lippe. Die Proteste brauchen eine breite öffentliche Aufmerksamkeit und das nicht nur im Iran, sondern weltweit.

Das Kooperationsgremium „Für Lippe gegen häusliche Gewalt“ ist mit seinen Partnerinnen und Partnern das ganze Jahr über aktiv und stellt regelmäßig Anträge zur Förderung regionaler und örtlicher Kooperationen gegen Gewalt an Frauen. Ein wichtiges Thema des Gremiums ist das Erkennen und Bekämpfen von Partnerschaftsgewalt, denn das eigene Zuhause ist für viele Frauen immer noch der gefährlichste Ort. Durch die Förderung des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen konnte die Veranstaltung „Partnerschaftsgewalt erkennen – verstehen – handeln“ stattfinden. Fachkräfte der lippischen Jugendämter, der Beratungsstellen, des sozialpsychiatrischen Dienstes und der Kreispolizeibehörde folgten der Einladung ins Kreishaus.

Die Referentin Gabriele van Stephaudt beschreibt Gewalt in Partnerschaften als ein komplexes Phänomen. Dieses stelle für Fachkräfte eine große Herausforderung dar, insbesondere wenn Kinder im Familiensystem mittelbar oder unmittelbar betroffen sind. Die Statistik wies in Nordrhein-Westfalen 30.759 erfasste Fälle häuslicher Gewalt im Jahr 2021 aus. Wie groß das Dunkelfeld ist, bleibt offen. 80 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Bezogen auf die COVID-19-Pandemie hat eine repräsentative Studie während des Lockdowns im April und Mai 2020 ergeben, dass sich das Risiko körperlicher Gewalt in Haushalten, die unter Quarantäne standen, verdoppelt hat. Ein deutlicher Risikofaktor für erhöhte Gewalt besteht außerdem, wenn Kinder unter 10 Jahren im Haushalt leben. Nicole Krüger ergänzt: „Über alle Altersgruppe hinweg waren im Kreis Lippe im Jahr 2021 insgesamt 378 Kinder und Jugendliche von häuslicher Gewalt betroffen. Es ist dabei aber immer wichtig zu betonen, dass diese Zahl nur das Hellfeld zeigt.“

Bei den Teilnehmenden bestand Einigkeit, dass eine wirksame Intervention ein breites Wissen über die Wirkfaktoren von Partnerschaftsgehalt und ihre Folgen voraussetzt.

Textquelle: Kreis Lippe
Fotoquelle: Kreis Lippe / Nicole Krüger (Gleichstellungsbeauftragte Kreis Lippe) und Landrat Dr. Axel Lehmann hissen die orangene Fahne vor dem Kreishaus.

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