Seit vergangenen Freitag sind die Heizungen in 78 Wohnungen in der Siedlung „Am Dören“ kalt. Grund hierfür ist, dass die Hausverwaltung fällige Rechnungen nicht gezahlt habe. Seit Juli versucht der Versorger E.ON dabei, die Hausverwaltung zu erreichen. „Ein Mitarbeiter von E.ON hat uns mitgeteilt, dass das Unternehmen seit Juli rund 16 Briefe verschickt hat. Darauf gab es keine Reaktion seitens des Hausverwalters“, erklärt Bürgermeister Thomas Katzer. Dieser hat am Dienstagmorgen ein Krisenstab im Rathaus eingerichtet. „Wir müssen etwas tun, um den Menschen zu helfen“, sagt Katzer.

Aufgrund der Gassperre funktionieren aktuell die Heizungen in den betreffenden Wohnungen nicht. Das Warmwasser wird in den Häusern mit Durchlauferhitzern erzeugt, wodurch wenigstens dies funktioniert. Dennoch sind die Wohnungen inzwischen deutlich abgekühlt, erklärt Bürgermeister Katzer. „Wir haben im Krisenstab kurzfristig versucht, eine Übergangslösung zu finden“, so Katzer. So konnten sich die Menschen im katholischen Pfarrheim für ein paar Stunden aufwärmen. Ähnliche Angebote sind auch am heutigen Donnerstag (12 – 14 Uhr) und Freitag (15 – 18 Uhr) geplant. Auch am Samstag besteht diese Möglichkeit.

Zahlungsanweisung wurde inzwischen erteilt

„Wenn die Situation anhält, werden wir versuchen ein Wärmezelt zu organisieren“, plant Bürgermeister Katzer. Es dauert allerdings, bis eine solche Hilfeleistung z. B. durch die Bundeswehr genehmigt und durchgeführt sei. „Das dauert mindestens eine Woche“, sagt Katzer. Der Bürgermeister machte sich am Mittwoch selbst ein Bild im katholischen Pfarrheim. Es bestünden aktuell auch noch zwei weitere Möglichkeiten, welche die Gemeinde Augustdorf nutzten könne. Auch stellt die Gemeindeverwaltung Heizlüfter bereit, wohlwissend, dass diese nicht für alle ausreichen und nur eine kleine Lösung darstellen.

Bürgermeister Katzer hat nach eigenen Aussagen auch mit dem Justiziar des Hausverwalters Kontakt aufgenommen. Dieser habe ihm erklärt, dass einiges falsch gelaufen sei. „Die Zahlungsanweisung sei mittlerweile erteilt worden“, weiß Katzer. Wann das Gas wieder fließt, könne der Justiziar allerdings nicht beantworten. Die Gemeinde Augustdorf tritt aktuell als Vermittler zwischen dem Hausverwalter und den Mieterinnen und Mietern auf. Weitere Maßnahmen werden aktuell geprüft, was allerdings Zeit in Anspruch nimmt.

Bürgermeister Katzer und die Gemeindeverwaltung haben sich in dieser außergewöhnlichen Lage auch an das zuständige Landesministerium in Düsseldorf gewendet. „Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen steht im Austausch mit der Gemeinde Augustdorf, um für die Mieterinnen und Mieter in der aktuellen Situation schnellstmöglich eine tragfähige Lösung zu finden“, erklärt ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage von DIE AUGUSTDORFER NACHRICHTEN.

Augustdorf hat nur wenig Handlungsspielraum

Eine Handlungsmöglichkeit für die Gemeinde Augustdorf wäre nach Aussagen des Mieterbundes OWL, dass die Verwaltung die Wohnungen aufgrund des Wohnraumstärkungsgesetzes für unbewohnbar erklärt. Dann müssten die Mieterinnen und Mieter allerdings die Wohnungen innerhalb einer angemessenen Frist räumen. Auch wenn der Hauseigentümer in diesem Fall für Ersatz sorgen müsste, wäre dies mit Schwierigkeiten verbunden. Ersatzwohnungen stehen in Augustdorf nicht zur Verfügung, wodurch mehrere hundert Menschen in Augustdorf obdachlos wären.

Der Hausverwalter belvona hat dabei bereits die Aufmerksamkeit der Landesregierung auf sich gezogen. Der Mieterbund OWL berichtet von mehreren solcher Fälle in Lippe, unter anderem in Lemgo und Oerlinghausen. Aber auch in anderen NRW-Kommunen sind dem Mieterbund ähnliche Vorfälle bekannt. „Hierzu wird es auch heute oder morgen ein Gespräch im Ministerium geben., wie damit umgegangen werden kann. Daran wird auch der DMB NRW als Vertreter der Mieter teilnehmen“, erklärt der Mieterbund OWL.

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