Erst vor einigen Tagen hat der Augustdorfer Maik Rubart eine Petition ins Leben gerufen, um das Augustdorfer Freibad zu reaktivieren. „Hitze,Hitze und nochmal Hitze. Bei den Temperaturen wäre es doch toll, das Augustdorfer Freibad wieder zu beleben. Diese Petition soll dazu dienen, das neu abgestimmt werden darf, für eine Reaktivierung des Freibades! Ausserdem bräuchte dann nicht jeder einen Pool zu Hause, also wäre es auch wassersparend“, erklärt er. Bis Mittwochmittag hatten diese Petition über 400 unterschrieben.
Bürgermeister Thomas Katzer erklärt gegenüber den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN, dass er die Petition begrüße. Letztendlich kämen aber beio der Diskussion auch zahlreiche Fragen der Unterhaltung auf die Gemeinde zu. Insgesamt sieht Thomas Katzer die Politik gefordert.
Unterstützung bekommt er unter anderem von Seiten der SPD. Diese erklärt: „In den vergangenen Tagen hat die Diskussion um ein Freibad für Augustdorf erneut Fahrt aufgenommen. Im Jahr 2017 haben die Bürgerinnen und Bürger in Augustdorf in einem Bürgerentscheid mehrheitlich gegen die Sanierung des Freibades entschieden. Inzwischen ist eine neue Petition veröffentlicht worden, die erneut eine Abstimmung über die Zukunft des Freibades fordert. Die SPD-Fraktion in Augustdorf unterstützt diese Petition ausdrücklich.“
„Augustdorf mit seinen vielen Familien, Kindern und Jugendlichen braucht ein Freibad. Die SPD-Fraktion hat schon 2017 für die Erneuerung des Freibades gekämpft, leider ohne Erfolg”, erklärt der Fraktionsvorsitzende Daniel Klöpper. Gemeinsam wollten SPD, FWG und FDP, dass die Bürgerinnen und Bürger über die Sanierung abstimmen. “Die CDU hat dieses Vorhaben damals verhindert. Lutz Müller behauptete damals, dass eine solche Entscheidung für die Bürgerinnen und Bürger zu kompliziert sei”, erinnert sich Klöpper. Dennoch stimmten die Bürgerinnen und Bürger ab. Am Ende votierte eine deutliche Mehrheit von 72,3 Prozent gegen die Freibadsanierung.
“Wir freuen uns natürlich, wenn sich jetzt viele Bürgerinnen und Bürger an der Petition beteiligen und erneut eine Abstimmung über ein Freibad fordern”, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mats Uffe Schubert. Auch wenn Schubert erst direkt nach der Abstimmung in die Politik eingetreten ist, erinnert er sich noch sehr gut an die Diskussion: “Es waren sehr emotionale Diskussionen. Oftmals wurden auch falsche Investitions- und Folgekosten genannt.” Gleichzeitig wurden auch falsche Hoffnungen und Erwartungen geweckt oder unrealistische Versprechungen gemacht: “Schon damals hat die SPD-Fraktion daran gezweifelt, dass der Baggersee am Kohlenweg jemals ein Badesee werden kann. Heute haben wir die entsprechende Aussage von der Bezirksregierung. Auch der Brink-See ist noch über Jahre oder Jahrzehnte in Betrieb.” Die auf Seiten der Freibad-Gegner und des ehemaligen Bürgermeisters vorgebrachte Argumentation, dass die Sommer schlechter werden, konnte die SPD schon damals nicht nachvollziehen: “Wir standen bereits 2017 vor dem Klimawandel. In den letzten Wochen und den nächsten Tagen sehen wir, wie sich das Klima geändert hat”, so Schubert.
Inzwischen haben sich die Bürgerinnen und Bürger anders beholfen: Viele schafften sich einen eigenen Pool an. Auch dies stellt die Gemeinde Augustdorf aufgrund der Wasserversorgung vor Herausforderungen. “Wir sind uns sicher, dass auch für ein Freibad in Augustdorf ein tragfähiges und finanzierbares Konzept erstellt werden kann. Schließlich hat auch Schlangen seit vielen Jahren ein Freibad”, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. In Schlangen sind, wie von der Augustdorfer SPD 2017 vorgeschlagen, die Gemeindewerke für die Bewirtschaftung zuständig. “Realistisch betrachtet geht es inzwischen natürlich um einen kompletten Neubau. Wenn viele Bürgerinnen und Bürger sich der Petition anschließen, werden sich Rat und Verwaltung Gedanken machen müssen, wie und wo ein Freibad realisiert werden kann”, sagt Daniel Klöpper. “Ein tragfähiges Konzept ist machbar, auch in Zeiten von hohen Energiekosten können ein Naturfreibad, Blockheizkraftwerke oder Geothermie die Betriebskosten reduzieren. Wir müssen am Ende nur den richtigen Weg finden”, ist sich Mats Uffe Schubert sicher. Die SPD steht jedenfalls weiterhin zu einem Freibad in Augustdorf.
Die FWG steht der Angelegenheit kritischer gegenüber. „Sanierung ist wohl kaum machbar – eine fortlaufende Instandsetzung des „alten „Freibades wurde leider nicht konsequent durch die damalige Verwaltung dem Bürgermeister und der Politik verfolgt – dies mündet nun in die jetzigen Lage. Ein Neubau ist grundsätzlich immer machbar, jedoch finanziell sicherlich deutlich schwieriger als noch vor Jahren im Vorfeld des letzten Bürgerentscheides. Vermutlich wird der Kammerer bei der Petition einen mittleren Herzinfarkt bekommen. Ein Neubau beinhaltet nicht nur baurechtliche neue Frage (Lärmschutz und Co) oder die Machbarkeit an sich auf dem jetzigen Gelände (vielleicht ist ein anderes Grundstück besser geeignet?) sondern auch die Finanzierung.
Es gilt also zu prüfen, welche Fördermittel des Bundes, Kreises und weitere für dieses Vorhaben zusagbar wären, wie unser Haushalt belastet wird und wie weitere Kosten ggf. durch die Grundsteuer gedeckt werden könnten.
Gerade weil auf Grund des russischen Angriffskrieges zum Ende des Jahres durch die Erhöhung der Energiepreise vermutlich viele Einwohner noch höhere Belastungen zu tragen haben ist dann erneut die Bereitschaft zur Mitfinanzierung des Freibades eine Prüffrage. Auch der Unterhalt eines Freibades ist nicht ohne weiteres zu stemmen – soll dies die Verwaltung übernehmen oder alles ehrenamtlich erfolgen.In Deutschland gibt es nur wenige Bäder die sich selbst tragen. Auch weil Augustdorf zum ersten Mal seit langem einen ausgeglichenen Haushalt hat bedeutet dies ein besonderes Augenmerk auf Investitionen und Unterhalt zu werfen. Personal kann eingestellt werden oder wie bei anderen Freibädern ehrenamtlich tätig sein. Kosten sind im Vorfeld nicht leicht zu kalkulieren – die verschiedenen Lösungen sind abzuwägen.
Da Augustdorf an sich keine Wasserknappheit gem. unserer Gemeindewerke hat wäre eine aktives Freibad (wie auch immer es gestaltet und betrieben wird) ein deutlicher Mehrwert für die Gemeinde und seine Einwohner – gerade als eine der jüngsten Kommunen.
Insgesamt ist dies ein Projekt, welches von Beginn bis zum Ende und dem laufenden Betrieb der Unterstützung aller Augustdorf bedarf – die Kommunikation über das Vorgehen muss bei Erfolg der Petition klar geregelt sein – überstürzte Handlungen wird es sicherlich nicht geben.“
Die DBA Fraktion wird sich am Donnerstag mit dem Thema befassen.
Neben dem zusätzlichen Geld, was durch die Eintritte in die Gemeindekasse fließen könnte – nachdem es reaktiviert worden wäre, steht aber auch ein anderer Punkt im Raum, den die Verantwortlichen vorher zu diskutieren haben – die Energiekrise. Denn in Nürnberg haben die Verantwortlichen, da das Gas immer knapper wird, angekündigt, nicht nur die Temperatur zu senken, sondern die Bäder gleich ganz dicht zu machen.

Rund 9300 Bäder gibt es in Deutschland, vertreten sind sie durch die Bäderallianz, in dem sich die 14 größten Interessenvertreter zusammengeschlossen haben. Unter anderem der deutsche Schwimmverband, der Verband der Sportlehrer, -mediziner, -wissenschaftler, die Wasserwacht oder die DLRG. 
Vor gut drei Wochen hat die Bäderallianz einen Brief an alle zuständigen Bundesministerinnen und -minister geschickt mit der eindringlichen Bitte, den Schwimmbadbetrieb nicht einzustellen. Letzte Woche hat die DLRG die Forderung mit eigenem Brief nochmal untermauert – adressiert an Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder.
„Also der Brief ist erst vor kurzem raus. Wir haben noch keine Antwort bekommen“, sagt DLRG-Präsidentin Ute Vogt, die frühere SPD-Spitzenpolitikerin, bei Deutschlandfunk Kultur. Aber das liege nicht daran, dass die Politik nicht mit ihnen sprechen wolle.
 
 
Ein Gedanke zu „Exklusiv: Freibadpetition hat viele Unterstützer“
  1. Um den Artikel zu vervollständigen: Wir als FDP-Fraktion stehen selbstverständlich nach wie vor zum Freibad! Wir sind der Meinung, dass ein Freibad auch heute noch wichtig für die Gemeinde ist. Schade nur, dass bei so einem wichtigen Thema nicht alle Fraktionen befragt werden. Roger Ritter

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